15. Oktober 2014

In Hamburg sagt man Tschüß – der Abschied

Wir haben’s geschafft. Mehr schlecht als recht aber hey, was soll’s, wir rollen los.

Ulli packt wie ein Verrückter das Auto voll. Ich putze die Wohnung. Beim gemeinsamen Packen kommen wir uns nur in die Quere. Wenn jeder seine Aufgabe hat, läuft es besser. Zwar heisst das im Umkehrschluss auch mit dem leben, was der jeweils andere verzapft hat, aber ich denke bisher kommen wir damit am Besten aus.

Marius und Julian ziehen bei uns ein. Die zwei Architekturstudenten stehen pünktlich zum Einzug vor der Tür. Wer hätte damit gerechnet, pünktliche Studenten… :) – und werden gleich beim Auto-Beladen mit eingespannt. Danke noch mal dafür! Ohne Euch würden wir immer noch packen…

Obwohl wir um 7 Uhr aufgestanden sind, schaffen wir es erst um 16:30 Uhr aus unserer Hamburger Wohnung. Vorbereitung ist alles :) Naja, nächstes mal vielleicht.

Über einen Apothekenumweg (Danke an die Schwiegereltern Connection) nach Schwarzenbek , denn 50 Liter Moskitospray sind nicht genug, wir brauchen noch mehr, geht es in den Harz. Dank allerlei Verkehrsunfällen und Baustellen, fallen wir erst um 1 Uhr Nachts tot ins Bett.

Doch wer an Ausschlafen denkt, der hat noch niemalsnie bei meinen Eltern übernachtet.

Willkommen in unserem Haus

Ich nenne es auch gern das “Terrorhaus”, nach dem Hausherren benannt. Und mein Vater macht auch diese Nacht seinem Namen alle Ehre. Seine leichteste Übung: Früh morgens um 6 Uhr die Treppe runter poltern (vielleicht testet er so als guter Gastgeber die Stabilität der Sprossen, bevor sich jemand Anderes im Laufe des Tages verletzen kann). Dann wärmt er seine engelsgleiche mit Motorsägenorchester-untermalte Stimme auf, indem er den Hund zusammen scheisst. Wer dann noch ans Schlafen denkt, wird spätestens davon wach, dass der Hund (auch Langschwein genannt), seine ewig lange Nase in die Türritze drückt und laut durch den Spalt atmet (dieses Schauspiel kann sich durchaus hartnäckige 30 Minuten hinziehen). Sollte sich der müde geschundene Körper noch immer gegen das Aufstehen wehren, so wird einfach das Haustelefon beklingelt, das zuvor irgendwo im Gästezimmer versteckt wurde (so ab halb acht ist mit Anrufen zu rechnen).

Das großartige Frühstück und die unendliche Gastfreundschaft, gepaart mit einem gewissen, fast kindlich naivem Erstaunen über das Ausmaß der selbst erzeugten Lautstärke, machen alles wieder wett.

Ulli und ich sind jedoch an diesem Tag kaum zu gebrauchen. Schön blöd, wenn doch Nachbar Dietmar pünktlich um 10 Uhr mit Werkzeugkoffer und einer Menge Werkelmotivation bewappnet in der Tür steht und auf Anweisungen wartet (Sandbleche außen ans Auto bauen und Gardinenstangen anbringen). Dazu muss gesagt sein, dass sogar die Schrauben an dem Auto Maßanfertigungen sind – so improvisiert ist das Ganze :) Konzentration ist also angesagt.

Ich für meinen Teil komme gefühlt zu Nichts und muss am Ende des Nichts-Tages auch noch zum Notar, um über mein Ableben zu entscheiden.
So eine Patientenverfügung besser jetzt als nie – hab ich mir so gedacht ;)

Von dem was der Notar so erzählt, bekomme ich nur die Hälfte mit. Was soll’s, schnell unterschrieben und abgehakt. Als das alles durch ist, stehen für heute nur noch 100 weitere Dinge auf der To-Do-Liste. Die wird zwar kürzer, aber ich merke, wie Ulli und ich nur noch Punkte wegarbeiten. Abschiede von Freunden und Familie, noch kurzfristige Besorgungen von Dingen, die wir vielleicht doch besser dabei haben wollen, ohne Zeit zum Freuen oder Realisieren was wir eigentlich Großartiges vorhaben.

Zwei Tage Werkeln und Putzen, noch mal alles durchsortieren und die tollen Polster für die Sitzbank einbauen… Danke nochmal dafür, die sind super und die Gardinen sind der Kracher :) !!!

Dann folgt der Abschied

Das Fotokissen mit einem zweiseitigen Selbst-Portrait in Kühlschrankgröße darf im Harz bleiben (Mama ich weiß du hast es lieb gemeint, sei bitte nicht allzu enttäuscht, dass ich nicht auf meinem eigenen Gesicht schlafen möchte :) ). Alle haben Tränen in den Augen, aber schön ist es dennoch irgendwie. Auch ich muss heulen, denn beim Abschied von meinem Hund wird mir klar, wie sehr er mir fehlen wird. Er ist einfach wie mein bester Freund, mein kleiner dicker, quirliger, kuscheliger, manchmal etwas stinkiger bester Freund (jaja Martin, du natürlich auch – nicht ganz so klein, manchmal aber ebenso stinkig. Vor allem nach ner Knolle puren Knoblauchs :) ). Alles was ich erlebe, möchte ich mit ihm zusammen erleben. Doch in Afrika ist es viel zu heiss für ihn. Ihm sind ja 30 Grad an der Alster schon zu viel. Abgesehen von den Tse-Tse Fliegen und afrikanischen Kinderhorden, die ihn sicher alle auf einmal streicheln wollen würden. Ne, hier im Harz hat er es besser .Hier gibt’s sogar Käsebrot zum Frühstück statt ewig nur das olle Hundefutter.

Abfahrt Richtung Südafrika

Dann brettern wir über Frankfurt (Danke für den super Abend und die Einführung in grüne Soße und diverse Auswirkungen von zu viel Apfelwein, die tolle Stadtführung und das geile Frühstück), über Mannheim (danke ihr Lieben für alles! An Oma-Ulli: dein Obadzda hat uns prima über die ersten Mahlzeiten gerettet!! :) ), nach Frankreich.

Die Autobahnen hier sind vor allem eins: gesperrt. Und so sind wir zum ersten Mal auf unserer Reise, mitten in der Nacht, auf unser GPS angewiesen. Wer es vorher einmal ausprobiert hat, ist klar im Vorteil. 3,80 Euro zahlen wir, nur um bei der falschen Mautstelle raus und nach einem U-Turn wieder reinzufahren.

Die erste Nacht verbringen wir schließlich im Auto. Auf Mamas super Polster und auf einem Rastplatz, sicher mega nicht-legal, neben einem Kühltransporter, dessen Kühlung die ganze Nacht immer wieder lautstark anspringt. Unsere Kühlbox im Auto macht das auch. Ulli kriegt davon jedoch mehr mit. Der schläft mit dem Ohr direkt daneben. Die erste Nacht ist also so lala. Auf Grund von Platzmangel schlafe ich auf meinen Händen an den Hüften auf dem Bauch.

Die zweite Nacht läuft besser. Auf einem Campingplatz in Spanien schlagen wir unser Zelt auf. Der Chef hier auf dem Campingplatz in Spanien (zumindest darf er hier alleine die Leute einchecken und einweisen) kommt aus Mauretanien. Matike heisst er und erzählt uns sicher acht mal, was für ein tolles Auto wir haben :) Wie lieb :)

Juchu, Afrika kommt uns schon ein wenig entgegen.