04. Oktober 2014

Nur noch 10 Tage bis zur Abfahrt

Endlich ist es soweit. Dachzeltzeit. Naja nicht so richtig. Es ist mittlerweile bitter kalt in Hamburg. Nachts sicher um die 5 Grad. Doch wir müssen vor unserer Abreise unbedingt wenigstens “einmal” unser Zelt ausprobieren.
Und damit meine ich nicht nur aufklappen und reinfühlen, sondern ernsthaft darin schlafen. Vom Angucken allein werden wir nicht schlauer.

Doch natürlich muss das alles mal wieder zwischen Tür und Angel stattfinden. Uns läuft langsam echt die Zeit davon:
Restausbau des Autos, Werkstatt hin und her, Stück für Stück Verabschiedung von Freunden und Familie, tägliches Blitz-online-bestellen von allem, was doch noch irgendwie fehlt, sowie dem Einpacken des Wohnungskleinkrams und anschließendem Verstauen der tausend Kartons im Apothekenkeller von Ullis Papa (ein riesen unfassbar großes Dankeschön noch mal an dieser Stelle, dass wir unseren Schrott bei Euch abladen durften) – Schnauf.

Der erste Eindruck des alten Dachzelts

Auf den ersten Blick gehört das Dachzelt ins Museum. Zeitlich irgendwo zwischen die Urknall-Exponate und gut erhaltene Steinzeit-Schaustücke. Doch irgendwie passt es auch wieder zu unserem klapprigen Landy, der ja auch bereits knapp 300 000 Lebenskilometer hinter sich hat.

Und das Tolle an dem Zelt – es hat schon einiges gesehen. Ullis Patentante und Onkel sind in dem kackbraunen Zelt mit der schönen klebeband-geschriebenen Aufschrift “AUTOCAMP” bereits vor über 40 Jahren Campen gefahren.

Jetzt haben wir das gute Stück geerbt und freuen uns riesig darauf, mit soviel Historie auf dem Auto auf Tour zu gehen!

Die Dachzelt Aufbauanleitung

Der Aufbau ist ganz leicht. Einfach aufs Dach klettern, Schutzplane runter, Seitenplanen aufklappen, Metallgestänge über die Automitte hiefen und fertig ist das gute Stück. Matratze und Moskitonetz sind fixe Elemente.

Ein bisschen albern sieht es aufgebaut aus, weil das Zelt nicht für so hohe Autos gemacht ist. Deshalb hängen die Seitenteile eine ganze Ecke über dem Boden in der Luft. So ähnelt es einer alten Frau, die sich die Hosenbeine hochhält, während sie durch Wasser watet 🙂 Die Leiter, die als tragendes Element dient, haben Ulli und sein Vater durch ein Aufsteckteil Marke Eigenbau verlängert.

Die Camping Location an der Elbe

Das Probecampen findet am Elbe Camp in Hamburg statt. Einem wunderbaren kleinen Hippiecampingplatz, idyllisch gelegen, vor weißem Sandstrand.

Mit dabei unsere Freundin Bibi, die mit ihrem roten Blitz, einem Goggomobil und ihrem dazugehörigen Wohnwagen, ebenfalls Probecampen will. Bibi muss ihre neu verlegten Strom-Gimmicks im Wohnwagen ausprobieren, wie z.B. einen Heizstrahler (bei dem Wetter definitiv die bessere Testvariante zum offenen Dachzelt). Auch Bibi plant mit ihrem Goggo eine Tour. Besser gesagt eine Deutschland-Tournee.

Nach einem wunderbaren Abend mit guten Freunden, Ukulele, Gesang und 5-Sterne Essen nach Bibis Weber-Grill-Bibel, sowie Mitternachts-Stockbrot, geht’s ab aufs Dach.

Das Erste Mal im Dachzelt

Es ist arschkalt.

Mit Strumpfhose, Jogginghose, T-Shirt, Pullover und Jacke, sowie Omas selbstgestrickten Socken bewappnet, klettere ich mit Hund unterm Arm die Leiter hoch. Ulli schläft lediglich in Unterhose.

Ich habe ein wenig Angst, dass mein Hund, für den es auch die erste Übernachtung auf einem Autodach ist, runter fällt. Immerhin ist es dunkel und er nicht immer das schlaueste Tier. Also stecke ich ihn kurzerhand in meinen Schlafsack. Am Fußende kann er gleich auch noch meine Füße wärmen.

Doch schlafen – Pustekuchen.

Punkt 1 Uhr nachts kommen unsere Nachbarn aus den Campingwagen nebenan von einer Spritztour durch Hamburgs Kneipen zurück. Feucht fröhlich feiern sie eine kleine Spontan-Party vor ihrem Wohnwagen. In unserem Zelt ist die Akustik so gut, als säßen wir mit am Tisch. Dank dieser Nacht weiß ich jetzt alles über Dinge, die ich noch nie wissen wollte und schon immer niemals hören wollte.

Außerdem ist mir kalt. Eiskalt. Dadurch, dass das Zelt nicht am Boden abschließt, zieht es kalt rein. Und zwar so richtig. Auch Kraftwerk Bosse an meinen Füßen bringt’s nicht so richtig. Als ich dann endlich kurz vorm Einschlafen bin, läuft Bosse heiß und sucht nach einer Frischluftquelle. Die ist schnell geschaffen. Ich ziehe einfach den Reißverschluss am Fußende meines Schlafsacks ein Stück auf und schwupps guckt die Hundenase durch. Das Atemgeräusch was rauskommt deutet auf erneuten tierischen Tiefschlaf. Schön, dass wenigstens der Hund gut schläft.

Ich muss aufs Klo.

Auch das ist eine echte Herausforderung. Die Hürden Hund und Ullis Füße liegen genau vor dem Abstieg. Ich muss einen riesen Satz machen, um keinen der beiden aufzuwecken. Dabei gilt es irgendwie mit einem Fuß die erste Sprosse der Leiter zu erreichen. Das ganze Auto wackelt. Doch von einer Sprosse – keine Spur. Mist. Ich habe ganz vergessen, dass durch unsere selbstgemachte Leiterverlängerung die obersten zwei Sprossen schlicht weg nicht existieren. Todesmutig ziehe ich Omas selbstgestrickte Socken aus. Das muss barfuß gehen. Alles andere wäre eine zu rutschige Nummer. Mit viel Kraft und Mut hangele ich mich seitlich über die Bettbrüstung und lasse mich auf die erste Sprosse herunter, die meine Füße finden. Puh, geschafft.

Hund wach, Ulli wach. Aber ich lebe noch.

Der Aufstieg wird wesentlich einfacher. Und mit ordentlich Walddreck unter den Füßen schläft es sich im Schlafsack plötzlich richtig prima.
Barfuß bei Eisfuß scheint die Lösung zu sein. Omas Socken haben die Hundewärme scheinbar nicht durchgelassen.

Nach viel zu wenigen Stunden Schlaf ist die Nacht dann auch schon wieder vorbei.

Das Fazit

Ich halte fest: Das Dachzelt ist bequem genug. Allerdings kann es super kalt werden, vor allem ohne tierischen Fußwärmer (in Afrika denke ich eher nicht so das Problem). Das Wichtigste: Beim nächsten Mal genauer gucken, welche Nachbarn wir uns aussuchen 🙂 und das Leiter klettern vielleicht tagsüber nochmal üben, bei guter Sicht und unter leichteren Bedingungen.